{"id":407,"date":"2004-05-23T17:52:57","date_gmt":"2004-05-23T22:52:57","guid":{"rendered":"http:\/\/dragocolosus.dyndns.org\/?p=407"},"modified":"2023-05-19T09:54:18","modified_gmt":"2023-05-19T14:54:18","slug":"gedanken-zur-hochzeit-von-alex-und-motz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dragocolosus.dyndns.org\/?p=407","title":{"rendered":"Gedanken zur Hochzeit von Alex und Motz"},"content":{"rendered":"<p>Dass es bei einer Ehe nicht nur um die rosaroten wunderschoenen Stunden geht ist wohl jedem, der verheiratet ist nur allzu klar. Wenn sich die erste Verzueckung so langsam legt kommen die kleineren und groesseren Unzulanglichkeiten des Partners zu Tage. Fragen wie zum Beispiel: Wie schnell sollte man einen Ford Focus im regulaeren Strassenverkehr denn nun wirklich fahren, oder wieviele Paar Schuhe oder Handtaschen braucht eine Frau, koennen durchaus zum Stress in der Beziehung fuehren. Da heisst es dann miteinander durchzuhalten und zusammenstehen. Ein Ausflug in die amerikanische Wueste im Joshua Tree National Park sollte dem Leser einen Eindruck geben, wie es um das Durchhaltevermoegen von Martin bestellt ist.<\/p>\n<p>Es begab sich im Sommer des Jahres 2003, dass meine beiden Brueder sich aufrappelten um einen Sommerurlaub in der Neuen Welt mit Ana und mir zu verbringen. Der erste solche Urlaub seit Cuxhaven oder so &#8230;. Wir hatten einen original &#8216;road trip&#8217; ins Auge gefasst, der uns in den heissen Sommertagen durch die heisseste Gegenden der USA fuehren sollte. Ana und ich hatten einen aehnlichen Trip vorher schon unternommen und waren beide begeistert von der Landschaft und den Erlebnissen &#8216;on the road&#8217;. Da wir einen Hang zum Wandern und Bergsteigen haben, hatten wir einige interessante Touren hinter uns gebracht, die eindeutigen Hoehepunkte unserer Reise.<\/p>\n<p>Es war demzufolge unsere Absicht Motz und Seb aehnliche Erfahrungen nahezubringen. Seb war wie erwartet sofort begeistert, waehrend Martin eher die Tage am Schwimmbad und des Site Seeings verlaengert haette. Aber wie heisst es so schoen: mitgefangen mitgehangen. Unser Haupterlebnis sollte also eine Wanderung durch den Joshua Tree National Park sein. Nach einigen kuerzeren Wanderungen und Besichtigungen in der bruetenden Hitze hatten wir uns einen guten Eindruck verschafft, so glaubten wir jedenfalls. Der &#8216;boy scout trail&#8217; 2 x 6.8 Meilen lang hatte es uns angetan. Es war der laengste Trail im Park, fuer echte Wanderer halt, und gut fuer ein kleines Abenteuer. Um dem ganzen noch ein gutes Ziel zu setzen versprach ich ein Besuch bei Denny&#8217;s nach bestandenem Marsch. Denny&#8217;s, so wissen die Amerikaner zumindestens, ist eine der Kettenrestaurants, die sehr billig tradionelles amerikanisches Essen servieren. Im wesentlichen geht es um die Menge, die Qualitaet ist fuer den Preis in jedem Fall<br \/>\nakzeptable.<\/p>\n<p>Wir wollten frueh aufbrechen um der Mittagshitze zu entgehen und diese dann am wunderschoenen Pool in unserer Oase (29 Palms Inn) zu geniessen. Nach einem kraeftigen Fruehstueck zogen wir also los auf unseren Marsch. Mit 8 Litern Wasser waren wir ganz ordenlich ausgeruesstet, so glaubten wir. Leichtsinnig wie wir waren und um das Denny&#8217;s Erlebnis zu verstaerken machten wir uns ohne einen Bissen zu Essen im Tournister auf den Weg.<\/p>\n<p>Wir parkten den weissen Toyota am vorgesehen Parkplatz und liessen ihn dort einsam zurueck, denn welcher normale Mensch wuerde in solcher Hitze im Sommer in die Wueste ziehen. Der Marsch nahm einen vielversprechenden Anfang das Wetter war perfekt: der Himmel war komplett bedeckt und es herrschten angenehme Temperaturen und die Landschaft war traumhaft schoen.<\/p>\n<p>Der erste Missklang kam auf nach etwa einer Meile als der Sand etwas loser wurde und jeder Schritt Anstrengung kostete da ein guter Anteil des Abstosses sich buchstablich im Sande verlief. Aber zu dem Zeitpunkt waren wir noch frisch und ausgeruht und liessen uns die Laune nicht verderben. Bei jeder Gelegenheit wurden Photos von der<br \/>\nbeeindruckenden Landschaft geschossen. Der Weg zog sich hin, entlang der Wegweiser, bergauf und bergab und die Anzahl der Photos reduzierte sich bestaendig. Wir fingen an Ausschau zu halten nach Hinweisen wie lange es denn noch sei und ergaben uns in Diskussionen wieviel Weg wir schon zurueckgelegt hatten. Das Wetter hatte so weit gut mitgespielt und wir waren ziemlich flott unterwegs. Trotzdem der Weg zog sich und wir hatten einen guten Teil unseres Wassers aufgebraucht als wir dann schliesslich am Wendepunkt, einem Parkplatz, ankamen.<\/p>\n<p>Wir machten eine kurze Pause aber es war uns klar, dass wir uns auf den Rueckweg machen mussten, denn es wurde inzwischen relativ heiss, obwohl der Himmel immernoch bedeckt war. Wir kannten den Weg zurueck und wussten es wuerde uns eine gute Weile kosten. Wie erwartet der Weg zog sich und kleine Blessuren stellten sich ein. Die Schuhe drueckten, die Knie schmerzten und der Blutzucker war am Minimum angekommen, aber wie die Pfadfinder hielten alle durch. Martin hatte es wohl am Haertesten getroffen und er erging sich in Tiraden ueber den Unsinn von derartigenq Wanderungen. Selbst die Erwartung von Denny&#8217;s wollten gar nicht mehr recht wirken.<\/p>\n<p>Aber es kam noch aerger. Wir mussten inzwischen fast das Ende des Weges erreicht haben und erwarteten jeden Moment unseren einsamen Toyota zu sichten, als wir in unserem ermattendem Trott feststellten, dass wir die Gegend nicht mehr kannten und wir uns auf einem falschen Weg befinden mussten. Zudem hatte sich der Himmel geklaert und die Sonne fing an erbarmungslos auf uns herunterzubrennen. Das Wasser war uns schon vor einer Weile ausgegangen und jedem ging wohl durch den Kopf was man im Film so haeufig von verdursteten in der Wueste gesehen hatte. Leider war das diesmal kein Film und wir fingen an uns ernsthaft Sorgen zu machen. In der Ferne konnten wir ein einzelnes Haus sehen, aber es war ein gutes Stueck Weges in der bruetenden Hitze.<\/p>\n<p>Wir gingen oder viel mehr schleppten uns jetzt querfeldein auf direktem Weg auf das Haus zu und schwiegen verbissen durch die Hitze. Schliesslich als wir das Haus fast erreicht hatten entdeckte Seb den einsamen, weissen Toyota. Waehrend Motz und Ana am Haus, das sich als das Besucherzentrum des Parks herausstellte, zusammenbrachen, Motz mit Kippe, holten Seb und ich den Wagen und Schwupp waren wir auf dem Weg. Mit sperrangelweit offenen Fenstern, Konvektionskuehlung anstatt Klimaanlage, fuehlten wir uns alle schon viel besser und erwarteten sehnsuechtig die Drinks und das Essen bei Denny&#8217;s. Als wir dann schliesslich am Ziel unserer Reise ankamen, verdreckt, verbrannt und salzverkrustet, war es uns allen klar, dass wir ein echtes Abenteuer erlebt hatten und wir alle durchgehalten hatten. Denny&#8217;s stellte sich als ein voller Erfolg heraus und nie hatten sich die &#8216;free refills&#8217; auf unserer Reise mehr gelohnt. Fehlt nur noch das erfrischende Bad zu erwaehnen, dass unser Trainer Seb uns aufs waermste empfahl gegen den Muskelkater; es half.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass es bei einer Ehe nicht nur um die rosaroten wunderschoenen Stunden geht ist wohl jedem, der verheiratet ist nur allzu klar. Wenn sich die erste Verzueckung so langsam legt kommen die kleineren und groesseren Unzulanglichkeiten des Partners zu Tage. 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